Samstag, 2. Oktober 2021

Uniklinikum Dresden - Psychsomatik

 Uniklinikum Dresden - Psychsomatik

(C) Schulz + Uhlemann Architekten


In der Uniklinik Dresden gibt es in der Abteilung für Psychosomatik (Haus 18) zwei Stationen:

Station PSO-S1: Schwerpunkt Krisenintervention sowie Traumafolgestörungen
Station PSO-S2: Allgemeine Psychosomatik (u.a Essstörungen)

Zur Station PSO-S1:

Auf der Station PSO-S1 werden schwerpunktmäßig Traumafolgestörungen (PTBS, komplexe PTBS, Dissoziative Störungen, traumaassoziierte Angst- oder Persönlichkeitsstörungen), außerdem gibt es die Möglichkeit zu einer allgemeinen psychosomatischen Krisenintervention.

Die Patienten werden bei Aufnahme in 2 Gruppen eingeteilt, mit diesen zusammen hat man die Gruppentherapien. Es ist Platz für ca. 17 Patienten, es gibt ein Einzelzimmer, zwei Dreibettzimmer, ansonsten Doppelzimmer. Alle Zimmer haben eigene Bäder. Die Zimmer sind recht groß, geräumig und hell. Das gesamte Haus ist barrierefrei und somit auch für Rollstuhlfahrer geeignet.

Ein Kriseninterventionsaufenthalt dauert genau 4 Wochen, ein regulärer Traumatherapieaufenthalt dauert 8-10 Wochen, man kann um 2-3 Wochen verlängern.

Der Tag beginnt um 07:00Uhr mit Frühsport, dann gibt es Frühstück im dafür vorgesehenen Essenssaal. Hier essen Station PSO-S1 und Station PSO-S2 zusammen. Nach dem Frühstück beginnen die ersten Therapien. Gegen 11:30Uhr gibt es Mittagessen, danach stehen wieder Therapien an bis maximal 16:00Uhr. Gegen 17:30Uhr gibt es dann das Abendessen. Zum Frühstück und Abendessen gibt es Buffet. Für das Mittagessen kann man zwischen 4 Gerichten wählen: Vollkost, leichte Vollkost, vegetarisch und Kindermenü. Bei Allergien wird ein individuelles Menü zusammengestellt.

Die Pflege ist 24h vor Ort und immer ansprechbar. Zu den Therapieangeboten gehört auch die wöchentliche Pflegevisite. Hierbei hat man pro Woche ein ca 30min Gespräch mit einer Person vom Pflegepersonal.

Nach Bedarf und Krankheitsbild können Vereinbarungen wie Gewichtsvertrag, Anti-Selbstverletzungsvertrag, Anti-Suizidvertrag usw. geschlossen werden.

Alle angeordneten Therapien sowie die Mahlzeiten sind Pflichtveranstaltungen, außer man hat es anders abgesprochen. Bei mehrfachem Verstoß kann eine Entlassung folgen.

Es werden psychodynamische,
kognitiv-verhaltenstherapeu-tische und systemische Therapieansätze in Einzel- und Gruppenverfahren miteinander kombiniert. Für jeden Patienten wird aus unterschiedlichen Therapeutischen Elementen je nach Krankheitsbild ein individueller Therapieplan zusammen gestellt.

Therapien: 2x wöchentlich Gruppentherapien (90 Min.), 2x Einzeltherapie (je 60 Min.), Kunsttherapie (auch als Einzel möglich), Körpertherapie (auch als Einzel möglich), Walking, Skiltraining, Genussgruppe, Psychoedukation, Imaginationsgruppe, Plenum, Pflegevisite, ärztliche Visite.

Es wird mit verschiedenen Traumatherapeutischen Verfahren gearbeitet u.a EMDR oder IRRT. (je nach Krankheitsbild und Patient)

An den Wochenenden ist therapiefreie Zeit. Bis auf Samstag Vormittag, da gibt es für eingeteilte Pat. die Genussgruppe. Ab dem 4. Wochenende in der Klinik darf man jedes 2.Wochenende zur Belastungserprobung nach Hause (bedeutet mit Übernachtung). Ansonsten kann man noch für Samstag und/oder Sonntag Tagesurlaub beantragen.
All diese Dinge werden Freitags im Plenum besprochen. Hierbei sind alle Patienten, die Pflege und Therapeuten und Ärzte dabei.

Während der Therapien (also von 07:00Uhr bis 16:00Uhr) gibt es ein Handyverbot. Außerhalb dessen darf man seine Geräte (Handy, Tablet, Laptop,...) uneingeschränkt nutzen.

An dem Haus befindet sich ein kleiner Park. Das gesamte Uniklinik-Gelände ist sehr groß mit vielen schön angelegten Grünflächen. Auch gibt es direkt in Hausnähe einen Kiosk. Das Gelände darf von Mo-Fr ab 16:00Uhr verlassen werden, am Wochenende den gesamten Tag.
Zur Elbe sind es ca 10min Fußweg. Auch die Altstadt oder andere Sehenswürdigkeiten sind zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln schnell erreichbar.

Zur Station PSO-S2:

Auf der Station PSO-S2 werden allgemein psychosomatische Erkrankungen behandelt z.B Essstörungen, Angst- und Zwangserkrankungen, Depressionen, Somatoforme Störungen oder Persönlichkeitsstörungen 
Das Konzept ist wie das auf der PSO-S1, es gibt 2 Gruppen, wo man in eine eingeteilt wird, die Therapieangebote sind sich sehr ähnlich und unterscheiden sich nur an geringen Stellen (zum Beispiel gibt es hier Musiktherapie). Der Tagesablauf ist ebenfalls der selbe. Auch die Zimmeraufteilung und die Patientenanzahl sind auf beiden Stationen identisch. Die Gruppentherapie ist hier tiefenpsychologisch ausgerichtet.

Für essgestörte Patienten wird am Anfang des Aufenthalts ein Ess- und Gewichtsvertrag ausgehandelt, welcher meist recht streng ist. Man muss ab einem bestimmten BMI pro Woche ein bestimmtes Gewicht zulegen und vorgegebene Mahlzeiten essen. Man muss ein Esstagebuch führen. Es findet eine dauerhafte Essbegleitung durch das Pflegepersonal statt. Erst ab Phase 3 darf man ohne Begleitung an den normalen Tischen essen. Es wird jede Woche Dienstag und Freitag gewogen. Wer mehrmals die vorgegebene Zunahme nicht erreicht, wird entlassen.

Die Einsenderin schreibt:

Ich kann die Uniklinik Dresden (Haus 18) und vor allem die PSO-S1 (Traumastation) sehr empfehlen. Voraussetzung ist allerdings, dass man an sich und den Krankheiten wirklich arbeiten will. Wer dazu nicht bereit ist, sollte nicht dort hin gehen, da hier sehr viel auf Eigenverantwortung gesetzt wird. ch war damals zur Behandlung meiner PTBS dort, nebenher wurde aber auch an meiner Essstörung und meiner Borderline-Störung gearbeitet. Ich habe das Konzept des EMDR kennengelernt, welches sehr hilfreich war. Meine Bezugstherapeutin war sehr einfühlsam, aufgeschlossen und geduldig mit mir, obwohl ich nur sehr langsam Fortschritte gemacht habe. Ich habe mich stets wohl und unterstützt gefühlt, vom gesamten Team der Station, egal ob Therapeuten, Ärzte oder Pflege.

Jedes meiner Probleme wurde ernst genommen und die Behandlung und Therapien auf mich abgestimmt, so hatte ich zum Beispiel die Körpertherapie zusätzlich als Einzeltherapie. Im Nachhinein kann ich sagen, dass mir persönlich die beiden Aufenthalte auf der PSO-S1 gut geholfen haben. Und wenn es um die Behandlung meiner Traumata geht, würde ich jederzeit wieder hingehen.



(C) Einsenderin

 

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